Die Digitalisierung schreitet in der Schweiz zunehmend voran – doch der Weg zum digitalen Unternehmen und Organisationen ist kein Selbstläufer. Generative Künstliche Intelligenz (GenAI), KI-Agenten und Bots verändern derzeit fast alles in unserem Arbeitsumfeld. Der Einsatz der Technik verändert wie wir arbeiten, kommunizieren und auch wie wir entscheiden. Wer in der Lage ist, diese Technologien sinnvoll einzusetzen, kann Prozesse beschleunigen, Kosten senken und Innovationen schneller als andere realisieren. Gleichzeitig wächst der Druck, die eigenen Teams mitzunehmen, Ängste abzubauen und digitale Kompetenzen aufzubauen. Diese Aufgabe ist die wichtigste im ganzen Umfeld der Digitalisierung.

Wie kann das konkret aussehen – ohne Überforderung der Menschen und ohne Technikfrust? Wie gelingt es den Nutzen klar zu zeigen?

Digitalisierung, Technisierung, Künstliche Intelligenz – was ist was?

Bevor wir tiefer einsteigen, lohnt es sich, drei Begriffe auseinanderzuhalten, die oft vermischt werden: Digitalisierung, Technisierung und Künstliche Intelligenz (KI).

Digitalisierung bedeutet die Umwandlung analoger Prozesse, Daten oder Modelle in digitale Form. Zum Beispiel, wenn ein Papierformular durch ein Online-Formular ersetzt oder ein analoger Geschäftsprozess softwaregestützt neu gestaltet wird.

Technisierung beschreibt ganz allgemein die Einführung technischer Hilfsmittel – auch abseits des Digitalen. Ein Beispiel wäre die Automatisierung von Arbeit durch Maschinen oder Werkzeuge, die noch keinen digitalen Charakter haben. Technisierung kann analog, mechanisch oder elektronisch erfolgen.

Künstliche Intelligenz (KI) wiederum ist ein Teilbereich der Digitalisierung. KI-Systeme können aus Daten lernen, Muster erkennen, Entscheidungen treffen oder sogar Inhalte generieren. Die sogenannte GenAI, also generative KI, hilft überall dort, wo Inhalte erstellt, analysiert, angepasst oder in neue Formen übertragen werden sollen. Sie kann nicht nur Texte schreiben, sondern auch Daten zusammenfassen, Ideen vorschlagen, Bilder erzeugen oder Codes entwickeln – und das oft in Sekundenschnelle.

👉 Kurz gefasst:
Technisierung ersetzt Handarbeit durch Technik.
Digitalisierung überführt Prozesse in digitale Systeme.
Künstliche Intelligenz macht digitale Systeme lern- und entscheidungsfähig.

GenAI im Arbeitsalltag – wo sie heute bereits sinnvoll unterstützt

Generative KI kann Texte, E-Mails, Berichte, Bilder oder sogar Code auf Knopfdruck erzeugen. Für viele Schweizer Unternehmen eröffnet das neue Spielräume – etwa im Marketing, im Kundendienst, in der Personalabteilung oder im Vertrieb. Statt stundenlang einen Produkttext zu formulieren, generiert ein KI-Modell in wenigen Minuten einen ersten Entwurf. Mitarbeitende passen ihn dann gezielt an. Das spart Zeit, hält den kreativen Prozess agil und macht Routineaufgaben leichter bewältigbar.

Auch bei der Bearbeitung von Standard-E-Mails, bei der Analyse von Kundenfeedback oder der Erstellung von Präsentationen unterstützt GenAI bereits produktiv – vorausgesetzt, die Nutzung ist datenschutzkonform und zielgerichtet eingebettet.

In der Praxis zeigt sich: Der Einstieg gelingt besonders gut mit Aufgaben, die oft gleich ablaufen, aber dennoch individuell angepasst werden müssen – wie Textbausteine, interne Notizen oder einfache Berichte.

KI-Agenten und Bots: Die digitalen Assistenten, die wirklich helfen

Während GenAI Inhalte erzeugt, übernehmen KI-Agenten komplexere Abläufe. Sie analysieren Informationen, führen Aufgaben eigenständig aus und vernetzen unterschiedliche Tools miteinander. Bots – also text- oder sprachbasierte Assistenten – bieten dabei eine leicht verständliche Schnittstelle: etwa im Kundensupport, auf Webseiten oder im internen Servicebereich.

In vielen Schweizer Unternehmen werden heute bereits erste Bots eingesetzt: für häufig gestellte Fragen auf der Website, zur Unterstützung im Personalwesen (z. B. Krankmeldungen, Ferientage) oder als Telefonassistenz für Grundinformationen. Sie arbeiten rund um die Uhr, entlasten Teams und verbessern die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich.

Diese Lösungen lassen sich modular aufbauen. Wer klein anfängt – etwa mit einem Bot, der Informationen aus dem Intranet liefert –, gewinnt Erfahrung und kann den Einsatz später gezielt ausweiten. Technisch ist das heute auch für kleinere Unternehmen umsetzbar.

Der Mensch bleibt im Zentrum – oder alles scheitert

Auch die leistungsfähigste KI löst keine Akzeptanzprobleme. Die entscheidende Frage ist nicht nur was wir automatisieren, sondern wie wir das kommunizieren. Mitarbeitende, die das Gefühl haben, ersetzt oder übergangen zu werden, werden sich nicht engagieren – ganz gleich, wie effizient die Technologie ist.

Deshalb braucht es frühzeitige Kommunikation: ehrlich, transparent und verständlich. Wo kommt KI zum Einsatz? Was ändert sich? Und was bleibt gleich?

Auch die gezielte Einbindung der Teams ist zentral. Wenn Mitarbeitende mitentscheiden dürfen, welche Aufgaben von KI übernommen werden könnten oder sollten, entsteht Beteiligung statt Widerstand. Wichtig sind dabei leicht zugängliche Schulungsangebote: kurze Formate, konkrete Anwendungsbeispiele, verständliche Sprache.

Positive Erfahrungen mit ersten Anwendungen – sei es ein smarter Textvorschlag oder ein hilfreicher Bot im internen Servicebereich – tragen oft mehr zum Kulturwandel bei als jedes Strategiepapier.

Wie Schulung gelingt, wenn Berührungsängste bestehen

In vielen Teams gibt es ganz unterschiedliche Voraussetzungen: Manche Mitarbeitende sind neugierig und experimentierfreudig, andere skeptisch oder verunsichert. Das ist normal – und genau hier sollte die Schulung ansetzen.

Der Schlüssel ist ein niedrigschwelliger, anwendungsorientierter Einstieg. Beginnen Sie nicht mit technischen Hintergründen oder abstrakten Zukunftsprognosen, sondern mit ganz konkreten Fragen:
– Wie kann mir KI im Alltag Zeit sparen?
– Wie lässt sich ein Text-Assistent nutzen, um die wöchentliche E-Mail schneller zu verfassen?
– Wie kann ein Bot im Intranet Auskunft geben, ohne dass ich lange suchen muss?

Drei bewährte Schritte helfen dabei:

  1. Ein Gesprächsformat, in dem Ängste und Fragen gehört werden.
  2. Schulungen mit echten Beispielen aus dem eigenen Arbeitsumfeld.
  3. Kollegiale Lernformate, bei denen Pioniere aus dem Team ihre Erfahrungen teilen.

Lernen darf leicht sein – und darf auch Fehler beinhalten. Wer einfach ausprobieren darf, lernt schneller und verliert schneller die Scheu.

Fortschritt beginnt mit Vertrauen – nicht mit Technik

Die Schweiz bietet hervorragende Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation: innovationsfreudige Unternehmen, exzellente Forschungslandschaft und starke Förderinstrumente wie Innosuisse. Doch Technologie allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob es gelingt, Menschen mitzunehmen, Vertrauen zu schaffen und konkrete Mehrwerte zu zeigen.

Wem es gelingt, verständlich zu erklären, um den Mitarbeitenden damit Beteiligung zu ermöglicht und KI dann dort einsetzt, wo sie sinnvoll unterstützen kann, wird aus Digitalisierung echten Fortschritt machen. So wird im Unternehmen die Zukunft aktiv gestaltet, statt ihr hinterherzulaufen.

Weiterführende Quellen & Studien

  • swissICT Digital Excellence Report (2023)
  • CSEM – Innovationsprojekte für KMU
  • Innosuisse – Innovationsförderung für Unternehmen
  • Implement Consulting – Potenzial von GenAI in der Schweiz
  • Swiss FinTech Innovations – AI Framework (2024)
  • PwC Schweiz – KI Pulse 2023
  • BCG – Digitalisierung im Gesundheitswesen Schweiz
Teile diesen Artikel