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Mitarbeiter setzen ihre Gesundheit aufs Spiel

Arbeiten ohne Grenzen – Das Phänomen der „Interessierten Selbstgefährdung“

Für viele ist das die normale Verlängerung ihres Arbeitsalltags: Die Arbeit wird mit nach Hause genommen, am Wochenende werden schnell die Mails gecheckt,  Konzepte fertig geschrieben und Termine wahrgenommen, obwohl man sich dabei nicht wohlfühlt.

Modernes Management orientiert sich am Erfolg und fördert Effizienz und fordert Selbstorganisation der Mitarbeitenden. An Stelle von Anwesenheitskontrollen stehen heute Zielvereinbarungen und Controlling mit Kennziffern und Benchmarks.

Enge Zeitvorgaben und hoch gesteckte Ziele mit hohe Anforderungen lassen Zeitdruck entsteht. Das führt dazu, dass sich Mitarbeitende mit einer hohen Identifikation mit dem Unternehmen und der Aufgabe, zeitlich und inhaltlich immer stärker einsetzen. Diese Mitarbeitenden handeln, obwohl angestellt, wie selbständige Unternehmer. Sie übernehmen die volle Verantwortung für ihren beruflichen Erfolg und den des Unternehmens. Sie arbeiten über die vereinbarten Arbeitszeiten hinweg und handeln dabei häufig über persönliche und gesundheitliche Grenzen hinaus.

Fachleute sprechen dabei von „Interessierter Selbstgefährdung“.  

Um diesem Phänomen zu begegnen, ist es wichtig, die Warnsignale der interessierten Selbstgefährdung bei sich oder seinen Mitarbeitenden wahrzunehmen.

Warnsignale sind z. B.

  • Ständig unter Zeitdruck arbeiten
  • Pausen/ Urlaub nicht nehmen/ ausfallen lassen
  • Zahlreiche Überstunden
  • Ständig über die reguläre Arbeitszeit arbeiten, Wochenendarbeit
  • Arbeit mit nach Hause nehmen
  • Schlafprobleme, zu wenig Schlaf
  • Konzentrationsprobleme, Erschöpfung
  • Krank zur Arbeit kommen, krank Termine wahrnehmen
  • Keine Zeit für Ausgleich durch Sport, Familie, Freunde
  • Angst vor Versetzung, Arbeitslosigkeit

Mehr darüber erfahren Sie hier:

Autorinnen/Autoren: Prof. Dr. Andreas Krause, Cosima Doresmagen und Dr. Klaus Peters,  Hochschule für Angewandte Psychologie, Fachhochschule Nordwestschweiz.

Prof. Dr. Andreas Krause erklärt zur Interessierten Selbstgefährdung:

„Solche Phänomene gab es auch in der Vergangenheit, zum Beispiel aufgrund einer hohen Identifikation mit dem Unternehmen. Allerdings berichten Mitarbeiter heute zunehmend, dass sie selbst dann, wenn sie ein solches Problem erkannt haben und darunter leiden, keinen Weg zur Veränderung finden.“

Die Ursachen liegen oft in der Dynamik neuer Managementkonzepte, wie sie nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch in Non-Profit-Organisationen und der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden. Durch die Orientierung an Benchmarks, unternehmensinterne Konkurrenzverhältnisse oder Androhung der Schließung von Werksteilen bei Nichterreichung von Renditezielen werden marktförmige Verhältnisse in die Unternehmen getragen. Während der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens früher eine reine Managementaufgabe war, rechnen nun auch abhängig Beschäftigte bei all ihren Aktivitäten mit, ob sich das, was sie gerade tun, für das Unternehmen auszahlt.