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Der Bewerbungsmarkt hat sich gedreht, zu Gunsten von: Kultur und Mensch zuerst

Die neuste Randstad Arbeitsmonitor 2022 zeigt, wie sich die schnellen Veränderungen des «Wie wir zusammenarbeiten wollen» global auswirken. Wie Menschen arbeiten wollen und was sie sich für ihre Karriere wünschen, hat sich in den letzten Jahren weltweit rasant geändert.
Die Menschen in den Unternehmen und Organisationen überdenken ihre Prioritäten. Sie stellen ihrem zukünftigen Arbeitgeber viele neue und vor allem kritische Fragen. Aus der Überlegung «Was ist mir wirklich wichtig?» resultiert die Hauptfrage: «Kann ich mich in genau diesem Unternehmen einbringen, werden dort auch meine Interessen vertreten und kann ich meine beruflichen Wünsche verwirklichen?»


Die damit verbundene Machtverschiebung vom sogenannten Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt ist längst vollzogen. Damit steigt die Schwierigkeit für Arbeitgeber, geeignete Mitarbeitende für ihr Unternehmen, ihre Organisation zu finden. Wie weit dieser Wandel bereits Spuren hinterlassen hat, lässt sich nicht allgemeingültig bestimmten. Es gibt in Bezug auf den Fachkräftemangel regionale und brachenabhängige Unterschiede.


Für die Unternehmen und Organisationen heisst das: Wer im Wettbewerb um Talente einen Schritt voraus sein will, muss mehr denn je mit der «People-First-Mentalität» unterwegs sein.
Seit 2003 misst der Randstad Arbeitsmonitor in 34 Märkten in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum und in Amerika den Puls des Arbeitsmarktes. Die Studie misst über die Jahre die Kluft zwischen der Realität und den Wünschen der globalen Belegschaft. Sie zeigt auf, was sich im Laufe der Zeit verändert und was die Mitarbeitenden von ihren Arbeitgebern wollen und erwarten und welche Fragen sie ihnen stellen.

Die 5 übergreifenden Erkenntnisse der Studie sind:

  1. Einstellung zur Selbstwirksamkeit
    Die Menschen wollen ihren Werten und Einstellungen treu bleiben und sich nicht verbiegen. Sie sind bereit, ihrem Arbeitgeber mitzuteilen, was sie sich wünschen und wie sie sich fühlen. Das persönliche Glück ist für viele der Schlüssel zum Erfolg und nicht mehr der berufliche Aufstieg.>
  2. Gemeinsame Wertebasis
    Mitarbeitende suchen sich Unternehmen, deren Werte mit ihren persönlichen Werten übereinstimmen. Zum Dreh- und Angelpunkt der Arbeitszufriedenheit wird der Umgang untereinander auf einer Wertebasis, die Vielfalt zulässt und trotzdem nicht beliebig bleibt. Die Ansichten und Werte, die im Unternehmen gelten, spiegeln sich in den Mitarbeitenden wider.
  3. Hinwendung zur Selbstermächtigung
    Nicht nur finanzielle Anreize stehen im Mittelpunkt, wenn Menschen sich für einen Arbeitsplatz entscheiden. Bei der aktiven Suche nach einem neuen Engagement oder als Mitarbeitende im Unternehmen stellen die Menschen auch andere Fragen. Um das Vertrauen und Engagement der Bewerbenden wie auch der eigenen Mitarbeitenden zu gewinnen, ist es für die Organisationen unabdingbar, ihr eigenes Verständnis für finanzielle und nicht-monetäre Anreize zu entwickeln.
  4. Flexibilität von Zeit und Ort der Arbeit
    Die Arbeitsplatz-Flexibilität, die in den Zeiten der globalen Krise für alle neu galt und für viele neu war, wird bleiben. Die Menschen wünschen sich die Möglichkeiten der Wahl des Arbeitsortes. Stark gefragt sind hybride Arbeitsplatzlösungen. Auch die zeitliche Flexibilität steht auf der Wunschliste. Um die besten Talente zu bekommen und zu behalten, müssen die Organisationen dem Wunsch entsprechen.
  5. Immer besser werden in Selbstverantwortung
    Viele Mitarbeitende haben grosses Interesse an Lernen, Weiterentwicklung und Schulungen und Coaching. Sie sind bereit, Neues zu lernen und damit ihr wahres Potenzial auszuschöpfen. Sie suchen sich die Arbeitgeber, die ihnen die Förderung ihrer Karriere nach ihren Wünschen ermöglichen, oder sie stellen die Fragen im Unternehmen, die sie weiter voran bringen, in Richtung ihrer Karrierewünsche.

Das rasante Voranschreiten der digitalen Transformation hat auch das Risiko verdeutlicht, dass sich die Fähigkeiten verändern und anpassen müssen. Die Studie zeigt hier keine Überraschung, wenn sich weltweit die überwältigende Mehrheit von 88% der Befragten dafür aussprechen an Lern- und Entwicklungsprogrammen teilzunehmen, wenn ihnen die Gelegenheit dazu gegeben wird. Genauso deutlich sprachen sich 84% der Befragten dafür aus, dass sie mit einem Karrierecoach sprechen würden, wenn sie zu so einem Gespräch Zugang hätten.


Die jüngere Generation hat durchwegs mehr Bereitschaft, sich begleiten zu lassen und sich immer auch aus Eigeninitiative weiterzubilden und sich die für sie passenden Lernmöglichkeiten zu suchen. Ebenso ist die Angst vor dem Verlust einer Stelle wesentlich geringer. Sie sind auch eher bereit, sich selbst proaktiv dafür einzusetzen, dass ein integratives Arbeitsumfeld mit Diversität und Gleichheit in den Unternehmen aufrecht erhalten bleibt.

Einzelne Antworten der Studie für die Schweiz:

• In der Schweiz gaben 52% der Befragten an, lieber zu kündigen, als unglücklich in einem Job zu sein, der sie dran hindert, das Leben zu geniessen (48% weltweit).

• Insgesamt gaben 35% der Befragten an, schon einmal einen Job gekündigt zu haben, weil er nicht oder nicht mehr ins Privatleben passte.

• So stimmten auch 59% zu, dass ihnen das Privatleben wichtiger ist als das Berufsleben (59% weltweit).

• Insgesamt 40% der Befragten würden keine Stelle antreten, in den sie ihre Werte nicht im Unternehmen vertreten sehen (43% weltweit).

• Von den Befragten gaben 58% an, sich wahrscheinlich bei ihrem Arbeitgeber weiter zu engagieren (60% weltweit).

• Die Befragten in der Schweiz gaben an, welche Massnahmen ihres Arbeitgebers sie in den letzten 12 Monaten sehr geschätzt hätten:
24% erhielten eine Gehaltserhöhung (36% weltweit).
16% konnten Ausbildungen beginnen oder Entwicklungschancen packen (25% weltweit).
22% profitierten von einer Flexibilität ihrer Arbeitszeit (26% weltweit).
26% konnten eine Erhöhung der Flexibilität ihres Arbeitsortes erlangen (28% weltweit).
13% bestätigten eine allgemeine Verbesserung ihres Arbeitsumfeldes (22% weltweit).

• Dass die Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeit wichtig ist, sagen 83% der Befragten (83% weltweit).

• Die Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsplatz halten 61% für wichtig (71% weltweit).

• Insgesamt 56% der Befragten in der Schweiz gaben auch an, dass ihre Arbeit ihnen zeitliche Flexibilität bietet (60% weltweit).

• Von der Flexibilität des Arbeitsortes können in der Schweiz 35% der Befragten profitieren (47% weltweit).

• Insgesamt 43% würden keine Stelle antreten ohne zeitliche Flexibilität und 34% sagen nein zum Job ohne die Flexibilität des Arbeitsortes (42% und 37% weltweit).

• In der Schweiz haben schon 23% der Befragten die Stelle gekündigt, weil es nicht genügend Flexibilität gab (27% weltweit)

• Es gaben 53% der Befragten an, sich mit den Anforderungen des Marktes zu entwickeln (53% weltweit).

• Für eine Schulung, um eine neue Rolle im Unternehmen auszufüllen, geben 31% ihre Zustimmung (38% weltweit).

• Von den Befragten sehen sich in der Schweiz 24% in einer zukunftssicheren Karriere (26% weltweit).

• Ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben wollen 42% der Befragten anstreben und darüber mit einem Coach sprechen (50% weltweit).

• Die eigene Karriere in der Stelle bei dem jetzigen Arbeitgeber vorantreiben wollen in der Schweiz 33% der Befragten (40% weltweit).

• insgesamt 23% der Befragten wollen ihre Karriere ausserhalb der jetzigen Stelle fortsetzen (23% weltweit).

Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt kann für alle Beteiligten enorme Chancen darstellen. Wer jetzt innovative Lösungen für die neuen Aufgaben, Probleme und Anforderungen findet, kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil schaffen. Das gilt für Arbeitnehmende wie für Arbeitgebende. Unternehmen, die sich auf die neue Situation einstellen und bisher ungenutzte Möglichkeiten und Ansätze nutzen, erhöhen ihre Arbeitgeberattraktivität. Sie können die guten Talente gewinnen und behalten.

Für Mitarbeitende eröffnet der Wandel eine bisher vielleicht noch nicht genügend betrachtete Chancen. Es öffnen sich eine grössere Auswahl an Möglichkeiten und die hohe Nachfrage nach gut ausgebildeten Mitarbeitenden lädt dazu ein, sich genau zu überlegen, was, wie und wo man arbeiten will. Die Einladung an alle, gleich welche Generation ist es, sich mit den Fragen zu beschäftigen und aus den Antworten heraus den eigenen Karriereweg zu gestalten und das Umfeld zu suchen, in dem Selbstwirksamkeit, Selbstermächtigung und Selbstverantwortung ihren Platz finden.

Quellen:
https://www.randstad.com/workforce-insights/global-hr-research/randstad-workmonitor/
https://www.randstad.ch/workforce360/medienmitteilungen/junge-generationen-revolutionieren-den-arbeitsmarkt/
https://rscom-cms1-prod.prd.randstadbluex.com/s3fs-media/rscom/public/2022-04/Randstad_Workmonitor_2022.pdf